Erbauliches

In der Pandemie ist alles anders geworden. Vielen Menschen fällt es schwer mit den Einschränkungen, Herausforderungen und Neuerungen umzugehen. Es gibt aber auch Erfahrungen, die Hoffnung machen. Sie werden von der Ev. Auferstehungsgemeinde Hastedt in "Hoffungsbriefen" veröffentlicht. Der erste ist schon erschienen und weitere werden folgen.

 

Um auch hier ein wenig Hoffung zu verbreiten und etwas Erbauliches in die Welt zu schicken, haben die Ev. Auferstehungsgemeinde Hastedt und die Autor*innen zugestimmt, dass wir die Texte nutzen dürfen. Dafür sagen wir "Herzlichen Dank".

 

Gibt es Texte, die hierher passen? Dann her damit!
Wir werden sie lesen und im Team besprechen,
ob wir die Texte auf unserer Seite veröffentlichen.

 


1. Hastedter Hoffnungsbrief (Pastorin Ulrike Oetken)

Susi und das Leben danach


Unsere Katze heißt Susi und seit sie bei uns lebt, hat sie sich zu einem Naturkind entwickelt. Zuvor war sie eine Wohnungskatze, aber seit einigen Jahren zieht es sie mehrmals am Tag in den Garten. Was sie dort alles so unternimmt, können wir nur ahnen. Die Tierärztin hat ihr unlängst bescheinigt, dass sie kerngesund ist, fit und körperlich auf der Höhe. Von Corona hat sie noch nichts gehört. Das  interessiert sie schlicht nicht. Ihr Leben hat sich durch die Pandemie in keiner Weise geändert. „Beneidenswert“, denke ich manchmal, wenn ich sie in der Sonne liegen sehe, oder durch die Büsche streifen oder wie sie wie eine Königin an der Gartenpforte die Passanten defilieren lässt, als kämen sie nur vorbei, um ihr ihre Aufwartung zu machen.


Als aber neulich Schnee fiel, wurde alles anders. Auf einmal war der Balkon, über den sie in den Garten huscht, unter einer weißen Decke verschwunden. Dasselbe Bild vor der Haustür. Das war ihr nicht geheuer. Keinen Fuß wollte sie auf diesen Untergrund setzen. Wie angewurzelt hockte sie davor, zu keinem weiteren Schritt bereit. Wer weiß, vielleicht ist dieses Weiß ja ein Nichts und man fällt hindurch ins Bodenlose. Ich bilde mir ein, solche Gedanken hinter ihrer Stirn rattern zu sehen. Der Versuch, sie einfach einmal hinein zu setzen in diese kalte weiße Welt, wurde von Susi empört zurückgewiesen. Mittlerweile werden wir sogar wütend angezischt, wenn wir nur die Balkontür öffnen.


Seitdem hängt der Haussegen schief. Susi ist offensichtlich unausgelastet und schlecht gelaunt. Ihr fehlen Bewegung, Anregungen und vermutlich auch diverse soziale Kontakte, von denen wir nichts wissen. Susi ist in Quarantäne. Irgendetwas Großes, Fremdes, Undurchschaubares hindert sie am gewohnten Leben. Nachdem sie anfangs einfach mehr geschlafen hat, vertreibt sie sich nun die Zeit mit Fressen. Sie hat angefangen, die Küche nach Essbarem zu durchsuchen. Das ist neu. Sie sucht mehr Gesellschaft, spielt wieder gerne mit allem, was auf dem Fußboden liegt. Aber all das macht sie nur mäßig zufrieden. Immer öfter sieht man sie nun sehnsüchtig am Fenster sitzen und hinausschauen: „Wenn das doch bald vorbei wäre! Aber ob es überhaupt jemals aufhört? Wird es ein Danach geben? Und wird die Welt einmal wieder so sein, wie ich sie kannte? Ich will nicht mehr, meine Geduld ist am Ende!“ Bei diesem Gedanken angekommen, muss Susi sich oft mit einem Galopp durch das Zimmer abreagieren.


Wie gut ich sie verstehen kann. Mir geht es ja genauso. Auch ich warte sehnsüchtig auf das Leben wie ich es kannte. Vor Corona. Aber wie es dann wirklich sein wird, das kann ich mir kaum vorstellen. Genauso? Oder ganz anders? „Wann wird es endlich wieder so wie es nie war?“ heißt ein Roman von Joachim Meyerhoff. Eine gute Frage.


Im Rückblick scheint das Leben vor Corona paradiesisch. Wann wird es wieder so? Aber war es denn das Paradies? Und wonach sehne ich mich eigentlich wirklich? Danach, dass alles wieder so wird? Oder danach, dass es weiter geht und etwas ganz Neues beginnt? Die Bibel bewegt sich mit ihren Geschichten zwischen dem Anfang im Paradies hin zu etwas, das wir nicht kennen. Ihre Hoffnung ist nicht die Rückkehr zu den Anfängen, sondern die Reise zu etwas neuem Unbekannten. Jesus nannte es Reich Gottes. Auf dem Weg dahin gibt es das Reich des Todes und eine Tür, die heißt Auferstehung. Das alles ist für uns Menschen mindestens so unbekannt wie für Susi der Schnee. Ungeduldig warte ich darauf und ich hoffe und glaube, dass das Kommende anders, aber gut sein kann. Ich rede meiner Katze gut zu. Sie lehnt sich an mein Bein und maunzt. Gemeinsam schauen wir in den Garten. Und ich habe Paulus im Ohr: „Ist jemand  in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden!“ (2. Korinther 5,17).


Ulrike Oetken